Digital-Health-Podcast: Das Recht auf Vergessen – Ein Schlüssel für geheilte Krebspatienten

Digital-Health-Podcast: Das Recht auf Vergessen – Ein Schlüssel für geheilte Krebspatienten
Nella Rausch, Autorin und ehemalige Krebspatientin, ist zu Gast in der neuesten Folge des Digital-Health-Podcasts von heise online. Sie thematisiert die entscheidende Bedeutung des Rechts auf Vergessenwerden für Langzeitüberlebende von Krebserkrankungen in Deutschland. Trotz der erfolgreichen Bekämpfung ihrer Krankheit sehen sich viele Betroffene weiterhin mit Herausforderungen konfrontiert, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Die Realität für Langzeitüberlebende
Für viele Menschen, die eine Krebsdiagnose überstanden haben, stellt das Ende der Therapie oft nicht die Rückkehr zur Normalität dar, wie es wünschenswert wäre. Rausch schildert eindrücklich, wie Versicherungen, Arbeitgeber und Adoptionsstellen sie und andere Betroffene aufgrund veralteter oder wissenschaftlich überholter Risikobewertungen benachteiligen. Sie sieht dies als eine Form der Diskriminierung.


Die Rolle der Gutachter
Im Podcast erklärt Rausch, dass Gutachter häufig die sozialen Medien von Krebspatienten durchleuchten, um Rentenansprüche oder Versicherungsleistungen zu überprüfen. Diese invasive Praxis hat schwerwiegende Konsequenzen für die Betroffenen, die oft einfach nur am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchten. Sie sagt dazu: „Es ist inakzeptabel, dass wir aufgrund von Daten, die nicht mehr gültig sind, in unserem Alltag eingeschränkt werden.“
Statistische Fakten zu Krebsüberlebenden
Das Gesundheitsministerium informiert, dass im Jahr 2019 etwa 4,5 Millionen Menschen in Deutschland mit oder nach einer Krebserkrankung lebten. Trotz dieser hohen Zahl spielt das Recht auf Vergessen bisher keine nennenswerte Rolle. Statistisch gesehen wird jemand, der fünf Jahre nach einer Krebserkrankung als geheilt gilt, der Allgemeinbevölkerung gleichgestellt, da das Risiko einer Neuerkrankung vergleichbar ist.
Recht auf Vergessen in Europa
Frankreich hat das Recht auf Vergessen bereits 2016 gesetzlich verankert, und inzwischen sind mehr als zehn weitere EU-Länder diesem Beispiel gefolgt. Im Vergleich dazu hinkt Deutschland hinterher. Besonders für Kinder gelten laut dem Krebsinformationsdienst sogar noch kürzere Fristen.
Forderungen nach Veränderung
Der Verein „Survivor Deutschland e.V.“ hat zusammen mit der Deutschen Kinderkrebsstiftung ein umfassendes Recht auf Vergessen für Krebsüberlebende gefordert. Mit der EU-Verbraucherkreditrichtlinie (EU) 2023/2225 ist Deutschland verpflichtet, das Recht auf Vergessen für Krebsüberlebende national umzusetzen. Allerdings lässt die Umsetzung noch auf sich warten.
Kritik an der Speicherdauer
Insbesondere die im Entwurf vorgesehene Speicherdauer der Daten von 15 Jahren hat bei Betroffenen für erhebliche Kritik gesorgt. So hat unter anderem die Deutsche Stiftung für Junge Erwachsene mit Krebs eine Verkürzung dieser Frist gefordert. Die laufende Petition zum Recht auf Vergessen hat es mittlerweile auch in den nordrhein-westfälischen Landtag geschafft.
Weitere Themen im Digital-Health-Podcast
In der ersten Folge des Digital-Health-Podcasts stand die elektronische Patientenakte (ePA) im Fokus. Die Redaktion beleuchtete die technischen und praktischen Herausforderungen, die mit der Einführung der ePA verbunden sind. Die zweite Folge zum Recht auf Vergessen knüpft direkt daran an: Die ePA soll als digitaler Ordner für das Leben fungieren.
Verständliche Aufklärung über Digitalisierung im Gesundheitswesen
Der Digital-Health-Podcast von heise online bietet eine verständliche Erklärung zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Neben redaktionellen Einordnungen gibt es regelmäßig Expertengespräche zu Themen wie elektronischer Patientenakte, Telemedizin, Künstlicher Intelligenz, Gesetzgebung und deren Auswirkungen auf Praxen, Kliniken und Patientinnen.
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Ergänzend zum Podcast erscheint der Digital-Health-Newsletter, der alle zwei Wochen neue Entwicklungen in der Digitalisierung des Gesundheitswesens zusammenfasst und deren Auswirkungen beleuchtet. Weitere Informationen zu den Versandverfahren und Widerrufsmöglichkeiten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
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David Lee
Content Creator bei Dutch Magazine.