Digitaler Gesundheits-Podcast: E-Patientenakte – Fortschritte und Herausforderungen

Einleitung
Die elektronische Patientenakte (ePA) hat seit ihrem bundesweiten Rollout vor knapp einem Jahr an Bedeutung gewonnen. Laut Angaben der Gematik sind bereits über 100 Millionen Dokumente in den ePAs gespeichert, und wöchentlich erfolgen mehr als 21 Millionen Zugriffe auf Medikationslisten. Dennoch bleibt die Nutzung unter den rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten hinter den Erwartungen zurück. Im Digital-Health-Podcast von heise online spricht Lucas Auer, Referent für Digitalisierung im Gesundheitswesen beim vzbv, über die Gründe dafür sowie über die Risiken, die der §25b SGB V mit sich bringt.
Der aktuelle Stand der ePA
Die ePA ist mittlerweile im Versorgungsalltag angekommen, mit einer wöchentlichen Zugriffszahl von bis zu 93.000 Praxen und einer Verfügbarkeit von 99,9 Prozent. Doch trotz dieser positiven Zahlen stellt sich die Frage: Warum nutzen viele Versicherte die ePA nicht? Lucas Auer erklärt, dass der Großteil der Menschen den spürbaren Nutzen der ePA vermisst. Für viele Nutzer sei die ePA derzeit nicht mehr als ein "digitaler Aktenordner".


Ursachen für die geringe Akzeptanz
Die Ursachen für die zurückhaltende Nutzung der ePA sieht Auer nicht nur in technischen Hürden, sondern vor allem in einem fehlenden Mehrwert und komplexen Prozessen. Viele Versicherte sind sich zudem nicht bewusst, welche neuen Befugnisse die Krankenkassen durch die ePA erhalten haben. Laut Auer ist die Informationspolitik der Krankenkassen in dieser Hinsicht problematisch.
Geplante Erweiterungen der ePA
Parallel zu den bestehenden Herausforderungen plant die Bundesregierung, die Funktionen der ePA erheblich auszubauen. Ein inoffizieller Gesetzentwurf für ein "Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen" (GeDIG) sieht vor, dass die ePA künftig als zentraler Einstiegspunkt in die Gesundheitsversorgung fungiert. Dazu gehören unter anderem digitale Ersteinschätzungen und die Möglichkeit zur Terminbuchung. Gesundheitsministerin Nina Warken bezeichnete die ePA als "zentralen Dreh- und Angelpunkt" in der digitalen Gesundheitsversorgung.
Neue Funktionen und ihre Bedeutung
Die Gematik kündigte außerdem die Einführung neuer Funktionen an, einschließlich eines Medikationsplans, einer Volltextsuche sowie Push-Benachrichtigungen in den Apps. Diese Erweiterungen könnten dazu beitragen, die Attraktivität der ePA zu steigern. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich des § 25b SGB V, der es Krankenkassen erlaubt, Abrechnungsdaten automatisiert auf Krankheitsrisiken auszuwerten.
Risiken des §25b SGB V
Lucas Auer warnt vor erheblichen Risiken, die mit dieser Regelung verbunden sind. Die Datenbasis für solche Auswertungen sei fehleranfällig und nicht für diesen Zweck erhoben worden. Der vzbv äußert daher Skepsis bezüglich der Qualität individueller Risikobewertungen. Zusätzliche Risiken könnten sich aus möglichen Fehlwirkungen für die Versicherten ergeben. Warnhinweise könnten Patienten verunsichern und zu falschen Entscheidungen führen.
Skepsis gegenüber Datenauswertungen
Viele Versicherte sind offenbar kaum informiert über die neuen Befugnisse der Krankenkassen. Dies zeigt sich auch in den niedrigen Widerspruchsquoten, die im Widerspruch zu Umfragen stehen, die eine hohe Skepsis gegenüber Datenauswertungen zeigen. Auer sieht den geplanten Ausbau der ePA mit Blick auf ein zukünftiges Primärversorgungssystem ambivalent: "Wenn man die Terminvermittlung stark auf die ePA zuschneidet, läuft man Gefahr, das Widerspruchsrecht zu entwerten."
Fazit und Ausblick
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die ePA trotz ihrer Fortschritte noch vor großen Herausforderungen steht. Um die Akzeptanz zu steigern, sind klare Informationen und ein spürbarer Mehrwert für die Versicherte unerlässlich. Die geplanten Erweiterungen könnten zwar helfen, den Nutzen der ePA zu erhöhen, doch die potenziellen Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit §25b, müssen dringend adressiert werden.
Quellen: heise online, Verbraucherzentrale Bundesverband
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David Lee
Content Creator bei Dutch Magazine.